Wuppertaler Antifaschisten im Spanischen Bürgerkrieg

Veröffentlicht: Sonntag, 08. Mai 2016

Wuppertal. „Wuppertaler im Spanischen Bürgerkrieg“ lautete der Titel einer stadthistorischen Wanderung, zu der Arbeit und Leben Berg-Mark am heutigen Tag der Befreiung vom Faschismus eingeladen hatte.

Nach dem Putsch General Francisco Francos am 17. Juli 1936 schlossen sich Freiwillige aus zahlreichen Ländern den linksgerichteten Milizen und den „Internationalen Brigaden“ an, um die Zweite Spanische Republik zu verteidigen. Unter den etwa 4500 deutschen Freiwilligen befanden sich auch etwa 40 Wuppertaler – eine erstaunlich hohe Zahl für eine Stadt dieser Größe. An die Lebenswege dieser Männer (für die Beteiligung von Frauen aus der bergischen Stadt gibt es keine Belege) erinnerten in einer kenntnisreichen und kurzweiligen Stadtführung Dr. Stephan Stracke und Dr. Dieter Nelles. Beide Historiker gehören dem Verein zur Erforschung der Sozialen Bewegungen im Wuppertal e.V. an, der u.a. elf Bände zur Geschichte von Widerstand, Verfolgung und der örtlichen Arbeiterbewegung publiziert hat.

Mitten im "roten Ölberg" erinnert eine Tafel am Otto-Böhne-Platz an den Namensgeber.

Die Führung begann am Otto-Böhne-Platz im Süden der Elberfelder Altstadt, einem Quartier, das im Volksmund auch der „rote Ölberg“ - wegen der Stärke der (kommunistischen) Arbeiterbewegung zur Zeit der Weimarer Republik – genannt wurde. Exemplarisch gingen die Referenten auf die Biografien Wuppertaler Freiwilliger im Spanischen Bürgerkrieg ein. Viele entstammten der KPD, aber auch anarchosyndikalistischen Organisationen, der Internationalen Transportarbeiter-Föderation, linkssozialistischen Gruppen oder der Sozialdemokratie.

Ein Wuppertaler Freiwilliger war Ernst Lau, KPD-Mitglied in Elberfeld, der 1935 von der Gestapo verhaftet wurde. Lau konnte fliehen und sich in die Niederlande absetzen. Im Oktober 1936 ging er von Amsterdam nach Spanien. Unter dem Decknamen „Tarzan“ kämpfte er im Ernst-Thälmann-Batallion der XI. Internationalen Brigade und kam im Dezember 1936 in der Nähe von Madrid ums Leben.

Der Wuppertaler Helmut Kirschey überlebte den Spanischen Bürgerkrieg und lebte bis zu seinem Tod 2003 in Schweden. Er stammte aus einer kommunistischen Familie und schloss sich 1931 der anarchosyndikalistischen Freien Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD) an. In Spanien kämpfte er Anfang 1937 in der Columna „Durruti“. Seine Lebenserinnerungen sind im Jahr 2000 unter dem Titel „A las Barricadas. Erinnerungen und Einsichten eines Antifaschisten“ (Band 3 der Reihe „Verfolgung und Widerstand in Wupperal“) erschienen.

Das Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus im Deweerth'schen Garten wurde 2011 um eine Gedenktafel mit den Namen der Ermordeten erweitert.

Acht Wuppertaler Antifaschisten überlebten den Spanischen Bürgerkrieg nicht. Fünf weitere sind bis Ende des Zweiten Weltkriegs ums Leben gekommen. Auch an deren Namen erinnert das Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus im Deweerth’schen Garten, wo die Führung endete. (dc)

 

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