Neues Projekt: „Das andere Düren“

Veröffentlicht: Mittwoch, 11. Mai 2016

Düren. Die Dürener Arbeiterbewegung hat eine ebenso lebendige wie weitgehend unbekannte Geschichte. In der Vergangenheit wurde es versäumt, die Akteure der Arbeiterbewegung, die in der Weimarer Republik, während der Illegalität in der Nazi-Zeit oder in der jungen Bundesrepublik aktiv waren, als Zeitzeugen zu befragen. Lebendige Erzählungen über das Geschehen vor Ort konnten deshalb nicht erhalten werden.

Im Mittelpunkt des Projektes "Das andere Düren" steht Bartholomäus (genannt Barthel) Rankers (Jahrgang 1928), der aus einer kommunistischen Birkesdorfer Familie stammt und nach dem Zweiten Weltkrieg verschiedene Funktionen in der FDJ und KPD inne hatte, als Gewerkschafter in der IG Metall aktiv ist und auch als begeisteter Fußballer die Dürener Geschichte nicht nur miterlebt, sondern aktiv mitgestaltet hat. Für sein gesellschaftspolitisches Engagement wurde er 2003 mit der Hans-Böckler-Medaillie, der höchsten Auszeichnung des Deutschen Gewerkschaftbundes (DGB), geehrt.

Barthel Rankers bei einer Veranstaltung in Düren 2006 anlässlich des 50. Jahrestags des KPD-Verbots.

Foto: Bertram-Wieland-Archiv für die Geschichte der Arbeiterbewegung e.V.

Ausgehend von ersten Interviews, die Mitglieder des Bertram-Wieland-Archiv für die Geschichte der Arbeiterbewegung e.V. im Jahr 2013 mit Bartholomäus Rankers geführt haben, sollen die Befragungen systematisiert und um zusätzliche Aspekte erweitert werden. Das Interview-Material soll transkribiert und redaktionell aufbereitet werden sowie um eine Dokumentation zur Biografie Bartholomäus Rankers' – insbesondere zu seiner Verurteilung 1958 „wegen Staatsgefährdung“ (gemeint war die Tätigkeit Rankers für die KPD) – ergänzt werden.

Die Interviews sollen im Videoformat aufgezeichnet werden und teils an „authentischen“ Orten, die mit dem Wirken der Dürener Arbeiterbewegung in Verbindung stehen, aufgezeichnet werden. Ergänzend werden Recherchen in den staatlichen Archiven unternommen. Diese Vorarbeiten sollen im ersten Halbjahr 2017 in eine Publikation  mit den Lebenserinnerungen von von Bartholomäus Rankers, ergänzt um einen dokumentarischen Teil, münden.

Das Projekt „Das andere Düren“ wird aus Mitteln des Dürener Kulturbetriebes gefördert.

Barthel Rankers ist als Zeitzeuge Gast bei einer Veranstaltung zum Thema "60 Jahre KPD-Verbot" am 17. August in Düren. Informationen zu dieser und weiteren Veranstaltungen finden Sie hier: Veranstaltungen 2016


Ein Dürener Urgestein der
Arbeiterbewegung geehrt

Aktiver und verankerter Genosse: Barthel Rankers

Das Leben von Barthel Rankers wurde mehr als 70 Jahre von den Ideen der kommunistischen Bewegung geprägt. Deutlich mehr als ein halbes Jahrhundert brachte er umgekehrt seine Erfahrung aus der Arbeiterbewegung in seine Gewerkschaft, die IG Metall, ein. Zusammenfassend kennzeichnete ihn Wolgang Scholz von der DKP als ein „Dürener Urgestein“. Uwe Koopmann, Sprecher des DKP-Bezirks Rheinland-Westfalen, überbrachte die herzlichen Glückwünsche des DKP-Parteivorstandes.



Die vielfältige Verbundenheit Barthel Rankers’ spiegelt sich in seinem Engagement für den Sport – mit Enthusiasmus und Dynamik über Jahre als Fußball-Schiedsrichter. Die Beweglichkeit im Sport wurde durch Prinzipientreue und Standfestigkeit in der Kommunalpolitik ergänzt. Mit Wehmut verfolgte Rankers, wie mancher Betrieb in Düren zerschlagen wurde und wie es nicht gelang, die Arbeitsplätze zu retten. Oft war das Fazit: Gewinnstreben geht vor Arbeitsplatzsicherheit. Gleichzeitig blieb ihm nicht verborgen, dass gleichzeitig der Einfluss der Organisationen der Arbeiterbewegung minimiert wurde.

Die Hoffnung und Gewissheit, dass es so nicht bleiben kann, hat er nicht verloren. Deshalb ist er noch heute in der DKP Düren aktiv und mischt sich lebendig in jede Diskussion ein. Vor dem Hintergrund der großen Demonstrationen in Berlin und Brüssel zieht er die Schlussfolgerung: „Widerstand ist überall wichtig. Deshalb ist es unsere Aufgabe, auch in Düren wieder mit einem eigenen Profil auf der Straße sichtbar zu werden!“

Uwe Koopmann

(dieser Text wurde uns vom Autor freundlicherweise zur Verfügung gestellt und am 30. Oktober 2016 ergänzt)

 


 

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