Folgen des KPD-Verbotes für Betroffene in der Dürener Region

Veröffentlicht: Freitag, 19. August 2016

Düren/Region. Das Verbot der Kommunistischen Partei Deutschlands am 17. August 1956 hatte auch Folgen für Menschen aus Düren und der Region. Mindestens 13 Personen wurden in der Folge des Verbots aus politischen Gründen verurteilt.

Sieben Verurteilungen erfolgten nach einer Verhaftungswelle im April 1958. Die „Dürener Nachrichten“ berichteten über den Vorwurf der Verbreitung von „kommunistischem Propaganda- und Zersetzungsmaterial“ (siehe Dokument unten). Mindestens sechs weitere Personen wurden in anderen Zusammenhängen zu Gefängnisstrafen verurteilt.

Wer hat Informationen zu den genannten Personen?

Ein Aufruf an unserer Leser: Wer kann Angaben zu weiteren Personen aus der Region machen, die vom KPD-Verbot (KPD-Verbot vor 60 Jahren: Dürener Kommunisten waren „ausgeflogen“) betroffen waren? Wer hat nähere Informationen zu den unten namentlich genannten Personen? Wir bitten, mit uns Kontakt aufzunehmen.

Im Laufe der in den „Dürener Nachrichten“ beschriebenen Festnahmeaktion und den daraufhin eingeleiteten  Ermittlungsverfahren kam es zu folgenden uns bekannten Verurteilungen:

Stump, Adolf (23 Jahre), Glasbläser aus Düren, zehn Monate Gefängnis (1958)
Wüst, Paul (50 Jahre), Filmvorführer aus Euskirchen, zehn Monate Gefängnis (1958)
Lehner, Paul (57 Jahre), Arbeiter aus Köttenich (Huchem-Stammeln), sieben Monate Gefängnis auf Bewährung (1958)
Felden, Josef (59 Jahre), aus Düren, sieben Monate Gefängnis auf Bewährung (1958)
Mertens, Heinrich (45 Jahre), Bauarbeiter aus Birkesdorf, sieben Monate Gefängnis auf Bewährung (1958)
Rankers, Hubert (61) Polsterer aus Birkesdorf,  zehn Monate Gefängnis (1959)
Rankers, Barthel (30), Maschinenschlosser aus Birkesdorf, ein Jahr Gefängnis (1959)

Weitere uns aus Düren und Umgebung bekannte Betroffene der politischen Justiz im Zusammenhang mit dem Verbot der KPD:

Gecks, Alfred aus Bonn/Düren, zwölf Monate Gefängnis
Rankers, Anton aus Birkesdorf, sechs Monate Gefängnis (verurteilt 1954)
Stump, Andreas aus Düren, fünf Monate Gefängnis (verurteilt 1954)
Becker, Anelise geb. Lehmacher, aus Krauthausen bei Düren, vier Monate Gefängnis (verurteilt 1955)
Fischer, Peter aus Köln/Düren, sieben Monate  Gefängnis  (verurteilt 1955)
Mark, Otto aus Düren, drei Monate Gefängnis (verurteilt 1956)

Dokument:

Im Dienste der verbotenen KP.
Sechs Männer und eine Frau festgenommen Sie leiteten Propagandamaterial weiter

Düren.- Im Laufe der letzten Woche nahm die Sonderabteilung K 14 (politische Delikte) der Kriminalpolizei sechs Männer und eine Frau aus Düren und der näheren Umgebung fest, die beschuldigt werden, sich im Dienste der verbotenen Kommunistischen Partei betätigt zu haben. Der Untersuchungsrichter erließ gegen alle Festgenommenen Haftbefehl. Bei Haussuchungen wurden eine größere Anzahl von kommunistischem Propaganda- und Zersetzungsmaterial gefunden und beschlagnahmt.

Bei den Verhafteten handelt es sich um ein Ehepaar. Der Mann ist 28, die Frau 32 Jahre alt-, einen jüngeren Mann von 23 Jahren und vier Männern im Alter zwischen 50 und 60 Jahren. Die Verhafteten sind alle als Arbeiter beschäftigt. Sie sind vor dem Verbot der KPD im Kreis Düren nicht als prominente Mitglieder dieser Partei in Erscheinung getreten, jedoch sollen einige der Verhafteten ihr angehört haben.

Die Verhaftungswelle wurde ausgelöst, als im Zuge einer Haussuchung wegen verbotenen
Waffenbesitz bei einem der älteren Männer die kommunistischen Druckschriften gefunden wurden. Die Verhafteten standen vermutlich als Durchlassstelle im Dienst der kommunistischen Propagandatätigkeit. Die Ermittlungen nach den Zubringern und den Stellen, denen das Material zugeleitet werden sollten, dauert noch an. Die Betätigung für eine verfassungsfeindliche Organisation wird nach dem Gesetz mit einer Mindeststrafe von sechs Monaten bestraft.

(Dürener Nachrichten vom 19. April 1958)

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