„O Buchenwald, ich kann dich nicht vergessen“

Veröffentlicht: Dienstag, 11. April 2017

Düren/Weimar. Geschichte und Erinnerung: Eine Dürener Gruppe besuchte am vergangenen Wochenende die Gedenkstätte Buchenwald – und kehrte mit bleibenden Eindrücken zurück.

„Wir sind mit vielen Eindrücken nach Hause gekommen. Es braucht sicherlich noch einige Zeit, um all das Gesehene und Gehörte zu verarbeiten“ – dieses Fazit ziehen Hiltrud und Herbert G. nach zweieinhalb intensiven Tagen in der Gedenkstätte Buchenwald und Weimar. Das Paar aus Düren hatte an der vom Bertram-Wieland-Archiv für die Geschichte der Arbeiterbewegung e.V. organisierten Studienfahrt teilgenommen. Die Teilnehmenden der Studienfahrt setzten sich mit der Geschichte des 1937 errichteten Konzentrationslagers auseinander, aber auch mit der Erinnerung zum Jahrestag der Selbstbefreiung Buchenwalds.

Teilnehmer/innen der Studienreise am Glockenturm der Gedenkstätte Buchenwald.

Am 11. April hatte die aus politischen Häftlingen im Untergrund gebildete bewaffnete „Internationale Militärorganisation“ beim Heranrücken der US-Armee die verbleibenden SS-Mannschaften überwältigt und das Lager befreit. Bei der Gedenkveranstaltung des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos (IKBD) auf dem Appellplatz übergaben die letzten Überlebenden des Konzentrationslagers symbolisch ihr Vermächtnis an die nachfolgenden Generationen. In berührenden Reden erinnerten diese an den „Schwur von Buchenwald“, den die Überlebenden am 19. April 1945 leisteten, und warnten eindringlich vor dem gegenwärtigen Erstarken des Nationalismus, Rechtspopulismus und militaristischer Politik.

Beim 8. Treffen der Nachkommen, organisiert von der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora e.V., stand das Schicksal der Kinder und Jugendlichen in Buchenwald im Mittelpunkt. Die illegale kommunistische Widerstandsorganisation des Lagers konnte viele junge Menschen vor der Vernichtung durch die SS retten. Sabine Stein, Leiterin des Archivs der Gedenkstätte Buchenwald, würdigte in ihrem Vortrag die Verdienste der politischen Häftlinge. 904 Kinder und Jugendliche erlebten so am 11. April 1945 ihre Befreiung. Ein Großteil der Dürener Gruppe nutzte auch die Gelegenheit zu einem Zeitzeugengespräch mit Alina Dabrowska (Jahrgang 1923) aus Warschau, die in Łódź, Auschwitz, Ravensbrück und Buchenwald durch die Deutschen gefangen gehalten wurde. Andere nahmen an einer Abendveranstaltung der Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik e.V. teil. Auch Spanienkämpfer, die als Freiwillige auf Seiten der Spanischen Republik gegen Franco kämpften, waren in Buchenwald interniert.

„Besonders berührt hat uns die Besichtigung des Krematoriums, der Verbrennungsöfen und der Genickschussanlage, ebenso die Begegnung mit der Zeitzeugin. Aber am meisten das Vorlesen aus Zeitzeugenberichten von Kindern und Jugendlichen, die im KZ Buchenwald waren“, sagen Hiltrud und Herbert G. aus Düren. Ermöglicht wurde die Studienreise auch dank der unbürokratischen Unterstützung von Stadt und Kreis Düren und dem Dürener Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt. Aufgrund des großen Interesses an der Fahrt – nicht alle Interessent/innen konnten mitfahren – denken die Organisatoren über eine Wiederholung im kommenden Jahr nach.

Das Bertram-Wieland-Archiv nimmt die Studienreise zum Anlass, systematische Nachforschungen zu den Schicksalen von Buchenwald-Häftlingen aus dem Kreis Düren anzustellen. Bislang sind 14 Personen bekannt, darunter der aus Birkesdorf stammende Namensgeber des Vereins, die in Buchenwald eingesperrt waren.  Wie Bertram Wieland haben viele das Konzentrationslager nicht überlebt.

Impressionen der Studienfahrt

Führung mit einem Vertreter des Förderverein Buchenwald e.V.

 

 Ausstellung „Buchenwald. Ausgrenzung und Gewalt 1937 bis 1945“

Ausstellung „Buchenwald. Ausgrenzung und Gewalt 1937 bis 1945“

 

8. Treffen der Nachkommen, organisiert von der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora e.V.

Gedenkveranstaltung des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos auf dem Appellplatz.

Gedenkveranstaltung des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos auf dem Appellplatz.

 Gedenkveranstaltung des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos auf dem Appellplatz.

Areal der Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald der DDR.

Areal der Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald der DDR mit der berühmten Plastik von Fritz Cremer.

 

Der Ukrainer Alexander Bychok (links) war einer der Überlebenden, die nach Buchenwald gekommen waren.

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