Stolpersteine für Widerstandskämpfer erstrahlen in neuem Glanz

Veröffentlicht: Mittwoch, 19. Juli 2017

Düren-Birkesdorf. Mitglieder des Bertram-Wieland-Archivs haben heute in den Straßen Weidenpesch und Kömpchen eine kleine Putzaktion durchgeführt. Gereinigt wurden zwei Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig, die an zwei Dürener Kommunisten erinnern. Die KPD-Mitglieder und antifaschistischen Widerstandskämpfer wurden 1944 durch die Faschisten verhaftet und später in Konzentrationslagern ermordet. Die zwei Stolpersteine erinnern an den Namensgeber unseres Vereins, Bertram Wieland, und seinen Mitstreiter Ludwig Henzig.

Die Stolpersteine errinnern an die Opfer der NS-Zeit, indem Gunter Demnig vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing einlässt. Inzwischen liegen Stolpersteine in 1099 Orten Deutschlands und in zwanzig Ländern Europas. Ludwig Henzig wurde am 07.01.1881 in Simmern geboren. Sein letzter Wohnsitz war in Birkesdorf im Kömpchen 5. „Am 3. September 1944 wurden insgesamt acht Birkesdorfer wegen ihrer ‚Einstellung zum Nationalsozialismus‘ verhaftet und von Düren aus in das Gestapogefängnis nach Aachen verschickt, unter ihnen […] Ludwig Henzig, Bertram Wieland, Georg Denker und Josef Schäfer, darüberhinaus die ebenfalls alle mit der Birkesdorfer Arbeiterbewegung in irgendeiner Form verbundenen Konrad Offermann, Peter Schäfer, Martin Laven und Heinrich Mertens. Von Aachen aus wurden die acht Antifaschisten dann in einem Sammeltransport nach Köln in die dortige Messehalle verbracht, wo sie unter menschenunwürdigen Umständen auf eine Verschickung in eines der vielen Konzentrationslager warteten. Wie berichtet, warteten Henzig und Wieland nicht umsonst: Sie wurden in das berüchtigte Konzentrationslager von Buchenwald deportiert, wo beide den Tod fanden.“ (Horst Wallraff: Birkesdorf – Geschichte eines Dorfs?, Düren 1993, S. 145f.)

Wieland und Henzig stehen stellvertretend für die Opfer des Faschismus aus den Reihen der Arbeiterbewegung. Wir bemühen uns darum, dass weitere Stolpersteine an die Frauen und Männer aus der Arbeiterbewegung im Dürener Raum erinnern. Noch im diesen Jahr soll u.a. ein Stolperstein für den Dürener KPD-Politiker Johann Reins (zur Biografie von Johann Reins siehe unten) verlegt werden.



Wer war Johann Reins?

Johann Reins wurde am 15. Mai 1894 in Birkesdorf bei Düren geboren. Sein Vater war Fabrikarbeiter, er selber wurde Bauarbeiter. Im November 1925 wurde er für die KPD in den Kreistag des Kreises Düren gewählt, gleichzeitig war er Kandidat bei den Wahlen zum Provinziallandtag der Rheinprovinz (Platzierung an 5. Stelle bei 14 regionalen Wahlvorschlägen der KPD, ebenso 1929). Im Herbst 1929 erlosch sein Kreistagsmandat, dafür war er seit dem 17.11. 1929 Stadtverordneter in Düren. Zum 14.7. 1930 legte er sein Mandat nieder; zu Anfang der 30er Jahre war er Führer des „Kampfbundes gegen den Faschismus“ in Düren, 1932 Führer des neu gebildeten Unterbezirks Düren der KPD. Am 28.02. 1933 wurde er in "Schutz"haft genommen. Er wurde am 12.5. 1933 wieder entlassen. Im Zuge der Verhaftungswelle nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurde er am 22. August 1944 in Birkesdorf wieder verhaftet, in das KZ Sachsenhausen verbracht und am 4./6. Februar 1945 in das KZ Buchenwald überstellt. Dort hat Reins am 17.02. 1945 den Tod gefunden. Sein letzter Wohnort in Düren war in der Pletzergasse 42.  (Biografie nach Bers, Günter: Die Regionalgliederung der KPD. Der Bezirk Mittelrhein und seine Parteitage in den Jahren 1927/29, Reinbek 1981, S. 174  - ergänzt um eigene Recherchen)

 

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