Studienfahrt als Auftakt: Schicksal von Dürenern im Konzentrationslager Buchenwald soll erforscht werden

Veröffentlicht: Dienstag, 24. April 2018

Düren/Weimar. Eine vom Bertram-Wieland-Archiv für die Geschichte der Arbeiterbewegung e.V. und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) im Kreis Düren organisierte Exkursion nach Weimar und Nordhausen stieß auf große Resonanz: An der dreitägigen Studienfahrt beteiligten sich 35 Menschen zwischen 15 und 80 Jahren aus Düren und Umgebung.

Im Mittelpunkt des intensiven Programms stand der Besuch der Gedenkstätten Mittelbau-Dora und Buchenwald, wo sich die Gruppe jeweils unter sachkundiger Führung der Geschichte dieser Orte näherte. Den Abschluss bildete die Teilnahme an der öffentlichen Gedenkfeier des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos auf dem ehemaligen Appellplatz. Am 11. April 1945 hatte die illegale Häflingswiderstandsorganisation im Lager die Kontrolle übernommen, wenig später erreichten amerikanische Truppen Buchenwald. Auch einige KZ-Überlebende aus verschiedenen europäischen Ländern waren anlässlich des Jahrestages der Befreiung auf den Ettersberg gekommen.

Teilnehmer/innen der Studienfahrt vor der berühmten Plastik von Fritz Cremer.

Ein geführter Rundgang zum Thema „Klassisches Weimar“ bildete den Kontrast zur Auseinandersetzung mit den Verbrechen und Nazis und verdeutlichte, wie nah die Höhen kulturellen Schaffens und die tiefsten menschlichen Abgründen liegen können. Ermöglicht wurde die Studienfahrt durch Unterstützung der Dürener Kreisbahn (DKB), Landrat Wolfgang Spelthahn, Dürener Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt und der SPD in Düren.

Dem Bertram-Wieland-Archiv e.V. sind derzeit etwa 100 Personen aus Düren oder mit Bezügen zur Region bekannt, die in Buchenwald und seinen Außenlagern gequält wurden – eine Reihe von ihnen wurde ermordet. „Wir bleiben deshalb an dem Thema dran“ erklärt H. Krüger vom Bertram-Wieland-Archiv. Im Rahmen des Projektes „Das Schicksal von Dürenern im KZ Buchenwald“ sollen diese Biografien von NS-Verfolgten im Laufe des Jahres aufgearbeitet werden und der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Für dieses „Geschichtsprojekt zum Mitmachen“ sucht der Verein noch Interessierte, die am Thema mitarbeiten möchten. Auch die Rolle von Tätern aus der Region Düren – z.B. des SS-Arztes August Bender aus Kreuzau – soll dabei beleuchtet werden. Kontakt zum Verein: Tel. 02421-3889737 oder per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Fotos

Inhaltlicher Einstieg im Besucherszentrum der Gedenkstätte Mittelbau-Dora.

In Mittelbau-Dora.

In Mittelbau-Dora.

Führung über das Außengelände des KZ Buchenwald - hier am ehemaligen Steinbruch.

Buchenwald.

Gedenkveranstaltung des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos auf dem ehemaligen Appellplatz.

Stimmen von Teilnehmer/innen an der Studienfahrt

"Der Besuch in Dora-Mittelbau, Buchenwald und Weimar vom 13. bis 15. April 2018, der im Rahmen der von Euch bestens organisierten Studienfahrt stattfand, war für mich tief beeindruckend. Ich bin nicht ohne Hintergrund zahlreicher Gespräche mit Zeitzeugen in Aachen, literarischen Zeugnissen von KZ-Insassen, Widerstandskämpfern und revolutionären Schriftstellern nach Weimar gekommen. Aber die unmittelbare Erfahrung, das zu sehen, was von den unfassbaren Verbrechen der deutschen Faschisten, der Barbarei ihrer SS-Schergen in diesen Lagern noch materiell vorhanden ist und v.a. die faktenreichen und erschütternden Ausführungen unserer Begleiter werden mich noch lange beschäftigen und darin bestärken, für das Nicht vergessen einzutreten – und im Widerstand gegen die neuerliche Gefahr von Faschismus und Krieg nicht nach zu lassen."Deshalb: macht weiter so! Die Mobilisierung vor allem von Jugendlichen für solche Veranstaltungen wie diese kann ein Baustein auf dem Weg in eine Zukunft sein, die dem Schwur von  Buchenwald gerecht wird." (Lothar B.)

"Vielen Dank für das aufwühlende, aber auch tolle Wochenende in Weimar. Ich fand das ganze Programm sehr professionell und dicht. Vieles an Eindrücken und Infos wirkt noch nach und ich lese noch die in den Gedenkstätten erworben Literatur. Die Orte selbst mit den Führungen auf sich wirken zu lassen ist nochmal was ganz anderes wie jeder Dokumentarfilm. Besonders auch die Beiträge von Zeitzeugen sind nachhaltig für mich. Ich dachte ich wüste schon viel, aber die Dimension der Entmenschlichung, die fortschreitende Verrohung und der Sadismus der Täter, aber auch das so viele Nazis danach ein normales unbescholtenes Leben weiterführen konnten erschüttert mich einfach zu tiefst." (Monika L.)

"Als ich das erste Mal nach Weimar gefahren bin, um das KZ Buchenwald zu besichtigen, erschütterte mich zu tiefst was ich vorfand. Natürlich hatte ich vorher bereits viel darüber gelesen und wusste ungefähr, was mich erwarten würde. Doch als ich dann dort war und all die grausamen Orte sah, an denen vor nicht einmal 75 Jahren täglich Massenmorde begangen wurden, war das noch einmal etwas völlig anderes. Vor allem der Steinbruch, der Bunker und auch das Krematorium, wo sich selbst bei der Befreiung des Lagers noch etliche Leichen stapelten und wo auch unser treue Genosse Thälmann seinen Tod fand, blieben mir besonders im Gedächtnis.

Als ich dann später das KZ Mittelbau Dora zusammen mit der Gruppe des Bertram Wieland Archivs besuchte, ging ich also mit der Einstellung heran,dass es nach Buchenwald nicht mehr wirklich schlimmer kommen könnte. Wie sich nachher herausstellen sollte, war dies jedoch allerdings ein Irrtum. Das KZ Mittelbau Dora wurde gebaut, um ab 1943 als unterirdische, bombensichere Waffenfabrik der Faschisten für V2 Raketen zu dienen. Diese Fabrik war in einem ca. 20 km langen Tunnelnetz angelegt, in dem vorher unter anderem riesige Öltanks lagerten. Da es Übertage zunächst kein Barackenlager gab, waren die Häftlinge, welche unter enormen Zeitdruck und lebensverachtensten Bedingungen von SS Männern getrieben den Bau der unterirdischen Fabrik bewerkstelligen mussten, gezwungen, Untertage in sogenannten „Schlafstollen“ zu hausen. Diese waren feucht, dunkel und verschmutzt, bei einer Temperatur von unter 10°C. Dort hatten sie weder fließendes Wasser, noch saubere Latrinen zur Verfügung. Zudem waren die „Schlafstollen“ völlig überfüllt. Das Gefühl, selbst nach dieser langen Zeit durch diese Tunnelgänge zu gehen, ist unbeschreiblich beklemmend. Nur 40.000 der insgesamt 60.000 Häftlinge, die durch die Hölle Mittelbau Dora gehen mussten, überlebten.

Doch bei all dieser Grausamkeit gibt es auch etwas positives zu Gedenken. Trotz ihrer verzweifelten Lage gaben viele Häftlinge nicht auf und leisteten heimlich Widerstand, indem sie beispielsweise die Waffen bei der Herstellung präparierten oder Schrauben nicht fest genug anzogen. Wer dabei erwischt wurde, dem stand der Tod durch Erhängen in den dunklen Tunnelgängen bevor. Heute ist es an uns, diesen mutigen Menschen zu Gedenken, die ihr Leben aufs Spiel setzten, im Kampf für Freiheit und die Befreiung der Menschen vom Faschismus. Und es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass solche Verbrechen nie wieder möglich werden. In diesem Sinne: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!" (Tanne M.)

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